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Dr. Borg ist auf der Flucht

 

Johann Peter Eickhorst schuf virtuelle Biografie

für Linoleum-Schau        dr. borg  in Sussex

Von unserem Redakteur

Stephan Cartier

 

Delmenhorst. War er’s? Oder war er’s nicht. Und was hätte er überhaupt getan, wenn er’s gewesen wäre? Fragen über Fragen, die der Künstler Johann Peter Eickhorst keine Lust hat zu beantworten. Alles ist in der Installation „dr.borg.london“ gesagt, die sich in den Katakomben des Fabrikmuseums ausbreitet. Klar ist nur, dass es etwas mit einer „Blutspur auf dem Linoleum“ zu tun hat.
   Aus der Serie: - dr.borg.london

Als Variation zum Thema der großen Expo-Ausstellung in den Städtischen Museen, die sich ab dem 7. Juni mit der Kultur- und Designgeschichte des Linoleums befasst, hat Eickhorst die Lebensgeschichte des Dr. Borg erfunden. Die Spuren seiner virtuellen Existenz in Form von Fotos, einem Videofilm sowie verschiedenen Relikten sind in den Kellergängen unter der Turbinenhalle verteilt.

Den Titel für die große Linoleum-Schau hatten die Ausstellungsmacher einem Krimi Agahtha Christies entnommen, in dem die Leiche einer jungen Frau auf dem Linoleum ihres Zimmers eine Blutspur hinterlassen hat. Um diesen Plot herum hat Eickhorst die Biografie Dr. Borgs entwickelt, der als Kunstfigur Täter aber auch Opfer eines Verbrechens sein könnte. Der Besucher muss nach Beweisstücken suchen.

In den Nischen der Kelleranlage finden sich Bilderrahmen mit undeutlichen Aufnahmen des Dr. Borg, die wie Standbilder aus einem Film wirken. In einem Fernsehapparat zeigt ein Film die Ankunft Borgs in London, und Relikte wie ein Plakat verraten, dass der Kerl auch einmal E-Gitarre in einer Band spielte (vermutlich Blues). Über dieser Fundgrube eines Lebens schweben Klänge des Avantgardekomponisten Pierre Henry, die Eickhorst bearbeitet hat.

Die unscharfen Fotos zeigen mit Datumsangabe meist einen Mann bei seinen alltäglichen Geschäften. Zweimal jedoch steht ein Frauenkörper im Mittelpunkt, eine Schaufensterpuppe, die hingestreckt auf einem Bett liegt: die Einladung zum Verbrechen.

Eickhorst hat die Legende seines Dr. Borg – den Namen entlieh er August Strindbergs „Das rote Zimmer“ – noch weitergesponnen und auch im Internet eine Fährte gelegt. Unter der email-Adresse strindberg@nwn.de kann man persönlich mit Dr. Borg Kontakt aufnehmen.

Ob der Mann auch zur Vernissage der Ausstellung kommen wird, konnte Eickhorst gestern noch nicht sagen.

 

Weser-Kurier  31. Mai 2000

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