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Aktuelle Presseberichte

Prof.  Dr. Ewald Gäßler – Direktor des Stadtmuseums Oldenburg

Johann Peter Eickhorst

Ein Vorwort  (Katalog für die  paris_   - Installation vom 28.5. - 25.6.2006)

 

Das Stadtmuseum Oldenburg bezieht sich in seinen Präsentationen und Ausstellungsprojekten in der Regel und von kalkulierten Ausnahmen abgesehen auf das künstlerische Geschehen in der Stadt und der Region, um Talente und künstlerische Positionen ausfindig zu machen, die die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums verdienen. Unter den Künstlerinnen und Künstlern, die für Ausstellungen ausgewählt werden, können gelegentlich auch Akteure in das Blickfeld rücken, die sich auf unterschiedliche Weise dem Bildmedium der Fotografie verschrieben haben. Es gibt davon einige in der Region und zu ihnen gehört Johann Peter Eickhorst, der sich schon seit vielen Jahren mit diesem bildnerischen Verfahren künstlerisch beschäftigt.

   Ausstellungsraum

                                           Die Ausstellung

 

Will man die fotografischen Arbeiten von Johann Peter Eickhorst charakterisieren, so muss man zunächst feststellen, dass die von ihm gewählten Themen ganz im Vordergrund des initiierten künstlerischen Prozesses stehen und sich aus den Themen fotografische und filmische Konzepte entwickeln, in denen gesellschaftliche Probleme und ausgewählte Lebenswelten kritisch untersucht und reflektiert werden.

Dies erfordert nach seiner Auffassung und Einstellung eine Umsetzung der Thematik in mehreren fotografischen Aufnahmen, die das Thema oder Objekt analysieren und nicht in einem einzelnen Bild, in dem sich eine Aussage symbolisch verdichtet.

 

Die aus dieser Grundhaltung entwickelten Fotoserien und Fotosequenzen von Johann Peter Eickhorst beschäftigen sich in der Regel mit problematischen oder im wahrsten Sinne des Wortes fragwürdigen Verhältnissen, zum Beispiel mit dem Unglück von Tschernobyl, mit Umweltproblemen und Industriekultur, mit kulturellen Entwicklungen und Veränderungen in der Gesellschaft und sind in jüngster Zeit als Installationen konzipiert, in denen Foto- , Video- und Tonaufnahmen gesellschaftliche Situationen und soziale Räume ausforschen und ausleuchten.

Dies ist nicht im Sinne einer theatralischen Inszenierung gemeint, sondern in Anspielung auf eine bewusste Ausnutzung der Wirkungen von Hell und Dunkel, Licht und Schatten, die auch die natürliche Beleuchtung bietet, wenn man nur gelernt hat, die Lichter des Tages und der Nacht für seine bildnerische Gestaltung zu nutzen.

 

Die Installation paris_ führt dies und die sequentielle Erzählweise eindrucksvoll vor Augen und es wird deutlich, wie sich Johann Peter Eickhorst seinem Sujet nähert.

Paris hat ihn seit seiner ersten Begegnung vor 20 Jahren immer wieder angezogen und fasziniert. Bei jedem Besuch in der Metropole an der Seine sind neue Aufnahmen entstanden, die zunächst die bekannten Bauwerke, die typische Architektur des 19. Jahrhunderts in den Blick nahmen sowie das Spiel von Licht und Schatten auf den Fassaden und auf den Plätzen der Großstadt. Mit der Zeit geriet immer mehr das Leben auf den Straßen in den Fokus; es entstanden Bilder der Flanierenden, Wartenden, der Bistrobesucher und des Menschentrubels an den Kreuzungen. Später verengte sich der Blick noch weiter, er nahm die einzelne Person ins Visier, die Zeitungsleser und die Concierge, schließlich nicht nur die Einzelnen, sondern auch die Einsamen und Verlassenen an den sozialen Brennpunkten, die Bettler, Clowns und Clochards. Schließlich drang der Blick sogar in die Häuser und versuchte das Leben hinter den Kulissen zu erfassen, die geprägt sind von neuer Hochhausarchitektur an den Rändern der Stadt und den Vororten in Clichy und Saint Denis. Aus der Fülle dieser Fern- und Nahsichten, die von der „impressionistischen“ Oberfläche immer tiefer in die gesellschaftlichen Verhältnisse eindringen, wird in einer bewussten Auswahl schließlich eine Bildfolge zusammengestellt, die wohl durchdacht und komponiert ist.

Der interessierte Kunstkenner wird dabei an eine Arbeitsweise erinnert, die sich in der Geschichte der Druckgrafik immer wieder nachweisen lässt, dass ein Thema von einem Künstler unter mehreren Aspekten betrachtet und entsprechend in einzelnen Blättern gestaltet wird, die dann aber erst zum Schluss zu einer Sequenz oder gar zu einem Zyklus verbunden werden.

 

Johann Peter Eickhorst geht darüber sogar noch einen Schritt hinaus, indem er die Fotos mit Film- und Tonaufnahmen kombiniert, die zu den „Standbildern“ und bildhaften „Ikonen“ einer Stadt die stimmungshaften Elemente beisteuert, gleichsam die Tiefenschärfe erhöhen, um weiter in das städtische Leben der Großstadt einzudringen und die Eindringlichkeit der Präsentation und der Präsenz dieses facettenreichen künstlerischen Gebildes zu steigern.

 

Oldenburg im Mai 2006

 

Düstere Eindrücke einer doch so glanzvollen Stadt

Der Fotograf Johann Peter Eickhorst zeigt im Stadtmuseum Oldenburg seine Bilder der Metropole Paris

    Von unserem Mitarbeiter                                      WESER-KURIER   25. Juni 2006
    Matthias Schultz                                                     KULTUR

OLDENBURG.   Paris fasziniert und zieht die Künstler an. Der Delmenhorster Fotograf Johann Peter Eickhorst, Jahrgang 1947, ist einer von ihnen. Mit seiner Kamera kommt der studierte Philosoph seit vier Dekaden immer wieder an die Seine und hält fest, was ihn interessiert.
   Am Anfang waren das, so wie bei jedem normalen Touristen auch, die Sehenswürdigkeiten, dann aber verengte sich sein Fokus auf die Szenen des Alltags, die Menschen der Metropole. Für seine aktuelle Ausstellung in der Neuen Galerie des Oldenburger Stadtmuseums musste er sich bei diesem mittlerweile auf einen reichlichen Fundus angewachsenen Archiv von Fotonegativen beschränken und konzentrierte sich auf 39 Arbeiten der vergangenen fünf Jahre.
  
   Chronologisch geordnet stellen sie seinen Versuch dar, die Entwicklung der Kulturmetropole nachzuzeichnen und zusammen mit der extra für diese Präsentation entwickelten Video-Installation auch akustisch erlebbar zu machen. Herausgekommen ist ein eher düsteres Bild der Stadt, an der der Strukturwandel und die vor allem wirtschaftlich bedingte Schieflage besonders krass zutage tritt.
  
   Eickhorst besuchte mit seiner Kamera auch die bis vor kurzem vergessenen und nur durch Krawalle der Jugendbanden wieder in die Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit gerückten Vororte wie Clichy und Saint Denis. Es sind Bettler, Clowns und Clochards, die Einsamen und Verlassenen der Moderne und des Fortschritts, die er abgelichtet hat. Ein kleiner Junge inmitten der Menge, eingeschlafen über seinem Akkordeon, die unter ihren Planen eingemummelten Obdachlosen auf dem kalten Pflaster der unwirtlichsten Ecken dieser 10-Millionen-Stadt. Aber trotz all der Düsternis, die der Fotograf im Schatten und der Dämmerung entdeckt: Es ist auch immer noch auf vielen seiner Arbeiten ein Hauch vom faszinierendem Charme der französischen Hauptstadt, vom "Savoir vivre" zu spüren, wenn er die Märkte, die Bistros, ihre in aller Ruhe inmitten des quirligen Straßengeschehens noch Zeitung lesenden Bewohner ablichtet.
  
   Und natürlich gibt es die die unvermeidlichen Postkartenmotive wie den Eiffelturm, Montmartre, L’Arc de Triumphe und die Oper, die dann allerdings auch wieder kontrastieren mit den architektonischen Grausamkeiten der Hochhäuser in den Vororten. Oder der Tristesse der Stationen des Metronetzes, dessen Geflecht sich unter der schönen Oberfläche jener von ihrem Ruhm zehrenden Stadt verbreitet und stoßweise die Massen einatmet und wieder ausspeit.
  
   In seiner Installation "paris_" hat Eickhorst mit der Handkamera wackelige Aufnahmen banaler Straßenszenen zusammengetragen, unterlegt mit einem dumpfen Ton unterstreicht der 25 Minuten lange Streifen die Stimmung des Künstlers. Denn Eickhorst betont, dass seine Sicht natürlich eine ganz private Annäherung an die von ihm verehrten, aber eben auch durchaus in ihren erschreckenden, sozialen Unzulänglichkeiten wahrgenommenen Metropole ist.

 

Lieblingsmotiv steht für französische Mentalität

Wenn Johann Peter Eickhorst durch das Objektiv seiner Kamera schaut,
fängt er nicht die Romantik der Metropole ein. Er übt Sozialkritik.

Delmenhorster Kreisblatt, 24. November 2007

 Delmenhorst. Auf den ersten Blick offenbart die Sichtachse durch die Fensterscheibe die Menschen in der Warteschlange. Auf den zweiten Blick erkennt der Betrachter einen in mehreren Decken gehüllten Obdachlosen, der sein Lager vor dem Centre Pompidou aufgeschlagen hat. Es ist das Lieblingsmotiv des Fotografen Johann Peter Eickhorst. Diese und 28 weitere Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die Licht und Schatten von Paris zeigen, sind seit gestern im Lichthof der Volkshochschule ausgestellt. "Das Foto gefällt mir so gut, weil es die französische Mentalität demonstriert", erklärt der Delmenhorster. Damit meint er die Toleranz der Franzosen. Würde die Situation vor der Nationalgalerie in Berlin passieren, ist sich Eickhorst sicher, würde der Obdachlose schnell weggescheucht werden.

Die Foto-Ausstellung, die bis zum 28. Januar dauert, ist in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes.

Die Foto-Schau steht thematisch im Zusammenhang mit der "Paris leuchtet"-Ausstellung in der Städtischen Galerie. Es sei eine Ergänzung und Aktualisierung zu den Kunstwerken im Haus Coburg, sagte Dr. Wiebke Steinmetz, die die Einführung übernahm.

Die "rasante Veränderung in der Stadtentwicklung" werde beim Anblick der Fotos, die in den vergangenen 20 Jahren entstanden sind, deutlich.

von Julia Brünner

 

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