Zu folgenden Projekten gibt es Presseberichte mit Fotos:

 

“_paris”   foto-video-sound-installation im  “Stadtmuseum Oldenburg”   2006

“Paris - Licht und Schatten”   VHS-Delmenhorst   23.11.07 - 28.01.2008

“Männer machen Kultur”     Porträtserie

“Frauen machen Kultur”       Porträtserie

“...am tage danach” - Jean Paul-Inszenierung “Roter Dom” Delmenhorst

echoes -  Reflektion über die Tschernobyl-Katastrope  Fabrikmuseum Delmenhorst

“dr.borg.london”     Expo-Projekt  Fabrikmuseum Delmenhorst

“in-vitro-design.ag”   Kunst im Öffentlichen Raum : Hude

Projekt 41   Beitrag zur Fastenzeit  “Roter Dom”  Delmenhorst

“Die wilden 60er in Delmenhorst”   Buch-Projekt

Es ist genug für alle da “ Video-Projekt

 

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Jenseits der "schönen bunten Bilder"

Individuell und sperrig ist die Kunst des Fotografen und
Konzeptkünstlers Johann Peter Eickhorst
 
Von unserem Mitarbeiter Georg Jauken

 

 D e l m e n h o r s t.

...seit 1993 sind unzählige Fotoserien und Video-Installationen entstanden, die sich zunächst um alle möglichen Themen drehten, dann aber vor allem um aktuelle  Zeitfragen. So beteiligte sich Eickhorst im vergangenen Jahr mit großformatigen Fotos am Huder Kunstsymposiums "Zeitlebens - Lebenszeit". Seine Fotos wie "in-vitro-disign.ag" verstand er als Anspielung auf  möglich gewordene "Manipulationen am Leben" und somit als seinen "Beitrag zur Diskussion um die Gentechnologie".

Eine andere Zeitfrage, die ihren Niederschlag in Eickhorsts künstlerischer Arbeit fand, war die Fotoserie "Echoes - 3. Umwelt ohne Grenzen" anlässlich des zehnten Jahrestages der Explosion im Atomkraftwerk Tschernobyl 1996. Eickhorst besuchte das radioaktiv verstrahlte Gebiet, in dem Zehntausende an der radioaktiven Verseuchung starben und sich die heranwachsende Generation in einem großen Umkreis des Unglücksortes in einer weitgehend unwirtlichen Welt zurecht finden muss. Er arbeitete vor Ort mit Kindern und Jugendlichen. "Die Kinder sollten sich in ihrer Umwelt malen", erklärt  Eickhorst. Der Fotograf hielt fest, was dabei herauskam: Neben der Hoffnungslosigkeit in den Gesichtern der Jugendlichen und ihren Bildern Freude - Freude über die Besucher, die sie nicht allein ihrem Schicksal überlassen.

Diese großformatigen Fotos aus Tschernobyl und zur Gentechnik beanspruchen einen großen Teil der Fläche des Atelier des Künstlers. Es sind zwei Beispiele, die Eickhorst künstlerischen Grundsatz jenseits von "L'art Pour l'art" verdeutlichen: "Ein Künstler muss die Zeit reflektieren." Der 55-Jährige will zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen seinen Beitrag leisten,  Stellung beziehen. Dabei ist er sich bewusst, dass seine Arbeiten für den Kunstmarkt eigentlich zu sperrig sind, wo doch heutzutage "die schönen bunten Bilder" im Trend lägen.

 

"The Rise - Die Überwindung Zivilisation" heißt eine andere Arbeit aus Eickhorsts langer Auseinandersetzung mit dem Thema Tschernobyl. Die mehrfach präsentierte Installation wurde für die "Nationalphilharmonie in Minsk" im Jahr 1994 konzipiert und dort mit großem Erfolg gezeigt. 1995 war sie auch, überarbeitet und mit einer Performance von Harald Liebig, im Gartenhaus Delmenhorst zu sehen.

Doch die Interessen des Johann Peter Eickhorst reichen über das Umweltthema durchaus hinaus. 1996 entstand das Video-Portrait "Tatort Ganderkesee" des  Avantgarde-Komponisten Hans-Joachim Hespos. Das Ungewöhnliche: Der Porträtierte taucht nur am Rande im Bild auf. Stattdessen ist seine Musik in Bilder umgesetzt. Zu sehen sind bewusst unscharf und rhythmisch verwackelte Aufnahmen aus dem Arbeitszimmer, Notenblätter, Hespos' Musikarchiv, seine Bücher, Erinnerungsstücke sowie impressionistisch wirkende Schwenks vor allem durch den Garten.

"Kommissar Maigret und sein Fotograf" heißt eine Arbeit, die jüngst in Ganderkesee uraufgeführt wurde. Es ist eine Foto-Sound-Installation: Fotos zum  Thema Maigret, dazu Musik der 50er und 60er Jahre. Die Fotografien bilden auch den Grundstock für eine Reaktivierung des weltberühmten Kommissars. Eickhorst will Maigret in einem Foto-Roman auf seinen 85. Fall ansetzen. "Maigret und sein Fotograf" soll das Flair der 60er und 70er Jahre vermitteln, in denen dieses Genre Konjunktur hatte, und es mit einem aktuellen Thema der Gegenwart verknüpfen, dem organisierten Verbrechen. Würde  Maigret heute noch ermitteln, ist Eickhorst sicher, müsste der sich mit organisierter Kriminalität beschäftigen.

Daneben plant Eickhorst die Produktion weiterer Video-Clips. Nach einem schlierenreiche Clip mit durchaus nicht perfekten Sound, hatte der die amerikanische Sängerin Patty Ryan zu "Lili Marlen" als Prostituierte dargestellt. Das erregte die Aufmerksamkeit einiger Bands. Für ein MTV-gewöhntes Publikum mögen auch Eickhorsts kommende Video-Clips nicht taugen, dafür aber für  Auftraggeber, die individuellen und sperrigen Filme schätzen, die mit der durchchoreographierten Durchschnittsware nichts mehr gemeinsam haben.

 

Weser Kurier 18. September 2002  -    „Atelierbesuche”

 

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