Düstere Fotos zwischen Maikäferduft und Laub

 

Eickhorst-Installation im Gartenhaus

 

Von Karl-Heinz Montag

 

Delmenhorst. Das Gartenhaus auf der Burginsel ist abgedunkelt und wirkt auf den ersten Blick wie eine Gruft. Trockenes Laub an abgeschlagenen Ästen von Platanen liegt im Raum verstreut, zwölf düstere Fotos, in „kosmisches Blau“ abgetönt, hängen aufgereiht an der Wand. Davor ein die Bilderfront abschreitender Kommentator Harald Liebig, von Fotograf Johann Peter Eickhorst schemenhaft und für Sekunden in den Kegel einer aufblinkenden Taschenlampe gehüllt. Gegenüber das Publikum, eingehüllt von schaurigen Endzeitklängen vom Band und

   Delmenhorst - 31.05.1995

morbiden Maikäferdüften.

Mit dieser unwirklichen Performance begann am Mittwochabend eine neue Ausstellung im Gartenhaus, dem neuen Hort für künstlerische Experimente des Kulturamtes, der die sonst festen Grenzen zwischen Amateur- und Profigestaltern bewußt verwischen möchte, gleichzeitig aber auch einige Risiken birgt, mit diesem Tummelplatz nur ein kleines Randpublikum anzusprechen.

Fotograf Eickhorst bildet eine erfreuliche Ausnahme, ihm gelang mit Liebig ein Experiment, das bei der Eröffnung ein größeres Publikum anzog. Hinter dem ungewöhnlichen Titel „The Rise – Die Überwindung der Zivilisation“ verbirgt sich Eickhorsts Position, der zurückgedrängten Natur mit den Medien Fotografie und Installation neues künstlerisches Terrain zu verschaffen und das Publikum mit eigenen Umsetzungen des Satzes: „Die Natur braucht uns nicht, wir aber sie“ sensibler für die Erhaltung von Lebensräumen zu machen. 

Wären da nicht die Laubzutaten auf dem Boden und das letzte Foto der Serie, das einen kräftigen Baum positiv in den Mittelpunkt rückt, könnte man als Betrachter der Bilder in Pessimismus und Untergangsstimmung schwelgen. Eickhorsts Startfoto, das faszinierende Portrait eines Paares, das den Dialog verlernt hat, läßt in einer Serie von Zerstörungen eintauchen. Aus verschiedenen Perspektiven nimmt Eickhorst variationsartig eine Abbruch-Wohnung unter die Lupe, spürt menschlichen Ängsten nach, inszeniert die menschliche Tragödie des Scheiterns.

Aufgrund der positiven Resonanz auf die Performance wird diese jeweils samstags und sonntags um 12 Uhr von Eickhorst und Liebig wiederholt.

 

Delmenhorster Kreisblatt   2. Juni 1995

Home         Fotoprojekte

5